Was ist Funktionsdiagnostik?
Bei der Refluxdiagnostik geht es nicht nur darum, ob die Schleimhaut entzündet ist, sondern vor allem darum, wie Speiseröhre und Schließmuskel funktionieren – und welche Art von Reflux vorliegt. Funktionsdiagnostik ergänzt die Gastroskopie und ist besonders wichtig bei stillem Reflux, atypischen Beschwerden oder vor einer geplanten Operation.
Die zwei wichtigsten Untersuchungen
Hochauflösende Manometrie (HRM)
Misst Druck und Bewegungsmuster der Speiseröhre. Damit kann man beurteilen, ob der Transport von Speisebrei gut funktioniert und wie der untere Speiseröhrenschließmuskel (LES) arbeitet.
24h-Impedanz-pH-Metrie
Erfasst über 24 Stunden Refluxereignisse – sauer und nicht-sauer – und prüft, ob diese zeitlich mit Ihren Symptomen zusammenhängen (Symptomkorrelation).
Warum beides?
Die Kombination beantwortet die entscheidenden Fragen: Liegt tatsächlich Reflux vor? Welche Art? Und ist eine Operation sinnvoll – und wenn ja, welche?
Wofür ist das wichtig?
Nicht jedes Brennen oder jeder Husten ist Reflux. Und nicht jeder Reflux ist „säurebedingt“. Die richtige Einordnung entscheidet, ob Lebensstilmaßnahmen ausreichen, Medikamente sinnvoll sind oder ob eine operative Therapie wirklich hilft.
- Unklare Beschwerden trotz unauffälliger Gastroskopie
- Therapieversagen trotz PPI
- Verdacht auf stillen Reflux (Heiserkeit, Husten, Räusperzwang)
- Vor geplanter Antirefluxoperation (z. B. Fundoplicatio)
- Abgrenzung von Motilitätsstörungen und anderen Ursachen
Hochauflösende Manometrie (HRM)
Bei der HR-Manometrie wird ein dünner Messkatheter über die Nase in die Speiseröhre gelegt. Dieser misst sehr genau, wie sich die Speiseröhre beim Schlucken zusammenzieht und wie der Schließmuskel am Mageneingang (LES) funktioniert.
Was kann HRM zeigen?
- ob die Speiseröhre den Speisebrei zuverlässig transportiert
- ob der LES zu schwach ist oder sich unzureichend öffnet
- ob eine Motilitätsstörung vorliegt (wichtig vor Operation)
Für die OP-Planung ist das besonders relevant: Bei eingeschränkter Motilität kann die Wahl der OP-Technik (z. B. Teil- vs. Vollfundoplicatio) entscheidend sein.
24h-Impedanz-pH-Metrie
Die 24h-Impedanz-pH-Metrie erfasst Refluxereignisse im Alltag: beim Essen, Arbeiten, Schlafen. Im Unterschied zur klassischen pH-Metrie kann die Impedanzmessung auch nicht-sauren Reflux nachweisen. Zusätzlich kann geprüft werden, ob Symptome zeitlich mit Refluxereignissen zusammenfallen.
Was kann die Untersuchung klären?
- wie häufig Reflux auftritt und wie hoch die Refluxbelastung ist
- ob Reflux überwiegend sauer oder nicht-sauer ist
- ob Beschwerden mit Refluxereignissen korrelieren (Symptomkorrelation)
- ob ein stiller Reflux plausibel ist
Vorbereitung: Was muss ich beachten?
Die genaue Vorbereitung hängt davon ab, welche Frage beantwortet werden soll (z. B. Diagnosesicherung vs. Kontrolle unter Therapie). Die Medikamentenpause (z. B. PPI) darf daher nicht eigenständig erfolgen, sondern wird individuell festgelegt.
| Thema | Typische Empfehlung | Warum? |
|---|---|---|
| Nüchternheit | Am Untersuchungstag nüchtern erscheinen (Details nach Anleitung) | Erleichtert die Katheteranlage und minimiert Übelkeit |
| Medikamente | PPI/Antazida nur nach ärztlicher Vorgabe pausieren oder weiternehmen | Je nach Ziel: Reflux „ohne Therapie“ oder „unter Therapie“ messen |
| Alltag | Während der 24h-Messung möglichst „normal“ essen und Alltag leben | Nur so ist die Messung realistisch und aussagekräftig |
Sie erhalten vorab eine klare, schriftliche Anleitung, die zu Ihrer Fragestellung passt.
Ablauf: Wie läuft das praktisch ab?
1) Katheteranlage
Der Messkatheter wird über die Nase eingeführt. Das ist unangenehm, aber in der Regel gut tolerierbar. Die Anlage dauert meist nur wenige Minuten.
2) HR-Manometrie (falls geplant)
Sie schlucken definierte Mengen Wasser. Das System misst dabei die Druckverläufe in hoher Auflösung.
3) 24h-Messphase
Sie gehen mit dem Messgerät nach Hause und führen ein kurzes Protokoll: Mahlzeiten, Liegezeiten und Symptome. Viele Geräte erlauben zusätzlich eine Markierung per Knopfdruck bei Symptomen.
4) Auswertung & Befundbesprechung
Die Messdaten werden ausgewertet und in den klinischen Kontext eingeordnet. Entscheidend ist nicht nur ein Einzelwert, sondern das Gesamtbild aus Symptomen, Endoskopie, Anatomie und Funktionsbefunden.
Wie werden Befunde eingeordnet?
Viele Patienten erwarten ein „positiv/negativ“. In der Realität ist es oft differenzierter. Typische Konstellationen sind:
Reflux nachweisbar
Refluxbelastung ist erhöht und passt zu Symptomen. Therapie kann gezielt optimiert werden (Lebensstil, Medikamente, ggf. OP).
Nicht-saurer Reflux
Säure ist nicht das Hauptproblem. Dann helfen PPI allein oft nicht ausreichend – andere Strategien sind sinnvoll.
Keine klare Korrelation
Symptome passen zeitlich nicht zu Refluxereignissen. Dann müssen andere Ursachen oder eine Überempfindlichkeit geprüft werden.
Genau hier liegt der große Wert der Funktionsdiagnostik: Sie verhindert Über- oder Fehltherapie.
Was bedeutet das für meine Therapie?
Aus der Funktionsdiagnostik ergibt sich ein klarer nächster Schritt: konservativ optimieren, Medikamente zielgerichtet einsetzen oder – bei entsprechender Anatomie und Befundlage – eine operative Therapie erwägen.
Hinweis: Diese Seite dient der Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.