Warum Diagnostik?

Reflux ist nicht gleich Reflux: Beschwerden können durch Säure, durch nicht-sauren Reflux, durch Volumenreflux oder auch durch Überempfindlichkeit der Speiseröhre entstehen. Gleichzeitig können unterschiedliche Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen.

Ziel der Diagnostik ist es, Ursache, Ausmaß und Mechanismus Ihrer Beschwerden zu erkennen – damit die Therapie nicht „nach Schema“, sondern maßgeschneidert erfolgen kann.

Die 3 Säulen der Refluxdiagnostik

1) Anamnese & Symptomprofil

Welche Beschwerden stehen im Vordergrund? Wann treten sie auf (nach dem Essen, nachts, beim Bücken)? Gibt es Auslöser, Begleitfaktoren oder Warnzeichen? Diese Informationen steuern, welche Untersuchungen sinnvoll sind.

→ Symptome & Einordnung

2) Gastroskopie

Beurteilung der Speiseröhre und Magenschleimhaut (z. B. Ösophagitis, Barrett), Erkennen einer Hiatushernie, Ausschluss anderer Ursachen. Für Therapieentscheidungen ist oft auch die anatomische Vermessung relevant.

3) Funktionsdiagnostik

Hochauflösende Manometrie (HRM) und 24h-Impedanz-pH-Metrie zeigen, wie die Speiseröhre arbeitet und welche Art von Reflux vorliegt – besonders wichtig bei atypischen Beschwerden und vor Operation.

→ Funktionsdiagnostik

Schema: Wie entsteht Reflux?

Ösophagus LES / Ventilzone Magen Zwerchfell / Hiatus Reflux (sauer/nicht-sauer) Mechanismen: • schwacher LES • Hiatushernie • Volumenreflux • Motilitätsstörung Warum Diagnostik? Endoskopie = Anatomie HRM/Impedanz-pH = Funktion
Vereinfachtes Schema: Therapie richtet sich nach Anatomie und Funktionsbefunden.

Gastroskopie: Was sie klärt – und was nicht

Die Gastroskopie (Magenspiegelung) ist ein zentraler Baustein. Sie kann Schleimhautschäden nachweisen (Refluxösophagitis), Komplikationen erkennen (z. B. Barrett-Ösophagus) und andere Ursachen ausschließen. Außerdem lässt sich häufig eine Zwerchfellhernie (Hiatushernie) erkennen.

Wichtig: Eine unauffällige Gastroskopie schließt Reflux nicht aus. Viele Patientinnen und Patienten haben Beschwerden trotz normaler Schleimhaut (z. B. NERD oder nicht-saurer Reflux). Dann wird Funktionsdiagnostik besonders relevant.

Funktionsdiagnostik: HR-Manometrie & 24h-Impedanz-pH-Metrie

Funktionsdiagnostik beantwortet Fragen, die Endoskopie allein nicht klären kann: Ist die Speiseröhre motil (transportiert sie richtig)? Wie gut schließt der untere Speiseröhrenschließmuskel? Wie häufig kommt es zu Reflux – und ist er sauer oder nicht-sauer? Und: Passen Ereignisse zeitlich zu Ihren Symptomen?

Untersuchung Was wird gemessen? Typischer Nutzen
HR-Manometrie Druck- und Bewegungsmuster (Motilität), LES-Funktion Abgrenzung Motilitätsstörungen, OP-Planung (z. B. Art der Fundoplicatio)
24h-Impedanz-pH Saurer und nicht-saurer Reflux + Symptomkorrelation Refluxnachweis bei unklarer Endoskopie, Einordnung von stillem Reflux
Kombination Anatomie + Funktion Fundierte Therapieentscheidung: konservativ, medikamentös, operativ

Ausführlich und patientenverständlich mit Vorbereitung und Ablauf findest du das hier: Funktionsdiagnostik im Detail.

Wann ist welche Diagnostik sinnvoll?

Häufige Fragen zur Diagnostik

Brauche ich immer eine Gastroskopie?

Nicht immer sofort – aber bei Warnzeichen, längeren Beschwerden oder vor geplanter Therapieentscheidung ist sie oft sinnvoll, um Schleimhaut und Anatomie zu beurteilen und andere Ursachen auszuschließen.

Schließt eine unauffällige Gastroskopie Reflux aus?

Nein. Reflux kann auch ohne sichtbare Schleimhautschäden bestehen. Dann klärt Funktionsdiagnostik, ob saurer oder nicht-saurer Reflux vorliegt und ob Symptome korrelieren.

Was ist der Unterschied zwischen pH-Metrie und Impedanz-pH-Metrie?

Die klassische pH-Metrie misst vor allem sauren Reflux. Die Impedanz-pH-Metrie erfasst zusätzlich nicht-sauren Reflux und ist deshalb bei atypischen Beschwerden oft aussagekräftiger.

Muss ich PPI vor der Messung absetzen?

Das hängt von der Fragestellung ab: Manche Messungen erfolgen bewusst ohne Säurehemmung, andere unter Therapie. Die Entscheidung wird individuell festgelegt – bitte nicht eigenständig ändern.

Ist die Manometrie schmerzhaft?

Sie ist meist unangenehm, aber in der Regel gut tolerierbar und dauert nur wenige Minuten. Sie liefert wichtige Informationen zur Motilität und zur OP-Planung.

Warum ist Diagnostik vor einer Operation so wichtig?

Damit die Indikation stimmt und die OP-Technik zur Funktion der Speiseröhre passt. So lassen sich Erfolgsaussichten erhöhen und Risiken (z. B. Dysphagie) reduzieren.

Der nächste Schritt

Wenn Sie Ihre Beschwerden gezielt einordnen möchten, ist der beste Start eine strukturierte Abklärung. Daraus ergeben sich klare Therapiepfade – konservativ, medikamentös oder operativ.

Hinweis: Diese Seite dient der Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.