Was ist eine Fundoplicatio?

Die Fundoplicatio ist eine laparoskopische (minimalinvasive) Operation zur Behandlung der gastroösophagealen Refluxerkrankung (GERD). Ziel ist es, den natürlichen Schließmechanismus am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen zu verstärken und – falls vorhanden – eine Zwerchfellhernie zu beheben.

Die Fundoplicatio ist der chirurgische Goldstandard in der Antirefluxchirurgie – mit sehr guter Wirksamkeit bei richtig gestellter Indikation.

Wann ist eine Fundoplicatio sinnvoll?

Eine Operation ist nicht „die nächste Stufe nach PPI“, sondern eine gezielte Therapieoption bei objektiv nachgewiesenem Reflux und passender Befundlage. Häufige Gründe sind:

Wichtig: Gerade bei atypischen Beschwerden oder stillem Reflux ist eine Funktionsdiagnostik entscheidend, um die Erfolgsaussichten realistisch einzuschätzen.

Warum Diagnostik vor einer Operation?

Eine Fundoplicatio wirkt dann am besten, wenn Reflux objektiv nachgewiesen ist und der Mechanismus verstanden wurde. Dazu gehören in der Regel:

Untersuchung Ziel Warum vor OP wichtig?
Gastroskopie Schleimhaut, Hernie, Ausschluss anderer Ursachen Grundlage, Komplikationen erkennen, Anatomie beurteilen
HR-Manometrie Motilität & LES-Funktion Wahl der OP-Technik (Toupet vs. Nissen), Dysphagierisiko reduzieren
24h-Impedanz-pH Refluxnachweis (sauer/nicht-sauer) + Symptomkorrelation Indikationssicherung, Prognoseabschätzung, v. a. bei stillem Reflux

Wie läuft die Operation ab?

Die Fundoplicatio wird minimalinvasiv über mehrere kleine Hautschnitte durchgeführt. Ziel ist die Wiederherstellung einer stabilen Ventilfunktion am Mageneingang.

Schritt 1: Reposition einer Zwerchfellhernie

Falls Magenanteile durch das Zwerchfell nach oben gerutscht sind, werden sie zurück in den Bauchraum verlagert.

Schritt 2: Hiatoplastik

Die Zwerchfellöffnung (Hiatus) wird angepasst und stabilisiert – je nach Befund mit oder ohne Netz.

Schritt 3: Fundoplicatio

Der obere Magenanteil (Fundus) wird als Manschette um die Speiseröhre gelegt, um den Schließmechanismus zu verstärken.

Schema: 3 OP-Schritte

1) Hernienreposition Magen zurück in den Bauchraum 2) Hiatoplastik Hiatus anpassen & stabilisieren 3) Fundoplicatio Manschette (Toupet/Nissen)
Vereinfachtes Schema: Reposition → Hiatoplastik → Manschette. Die genaue Technik richtet sich nach Befund und Manometrie.

Nissen oder Toupet – was ist der Unterschied?

Es gibt unterschiedliche Varianten. Die Entscheidung hängt unter anderem von der Beweglichkeit (Motilität) der Speiseröhre und der individuellen Befundlage ab.

Verfahren Prinzip Typische Überlegungen
Nissen-Fundoplicatio 360°-Manschette (vollständig) Sehr effektive Refluxkontrolle; Auswahl abhängig von Motilität und individueller Situation
Toupet-Fundoplicatio 270°-Manschette (teilweise) Oft bevorzugt bei eingeschränkter Motilität; Ziel: gutes Reflux-Outcome bei geringerer Dysphagieneigung

Die HR-Manometrie hilft, die passende Technik zu wählen.

Welche Ergebnisse kann man erwarten?

Bei richtig gestellter Indikation verbessern sich Refluxsymptome häufig deutlich. Viele Patientinnen und Patienten können ihre Medikation reduzieren oder absetzen. Entscheidend ist jedoch die individuelle Ausgangslage: Sodbrennen spricht oft sehr gut an, atypische Beschwerden (z. B. stiller Reflux) erfordern eine besonders sorgfältige Diagnostik und realistische Zieldefinition.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Jede Operation hat Risiken. In der Antirefluxchirurgie sind außerdem bestimmte funktionelle Veränderungen möglich, weil der Schließmechanismus bewusst verstärkt wird.

Schluckbeschwerden (Dysphagie)

In den ersten Wochen häufig vorübergehend. Persistierende Beschwerden sind selten, das Risiko lässt sich durch Diagnostik und passende OP-Technik reduzieren.

Gas-Bloat / Aufstoßen

Manche Patienten können anfangs schlechter aufstoßen. Blähgefühl kann auftreten und bessert sich meist mit der Zeit.

Rezidiv / erneute Hernie

In seltenen Fällen kann Reflux wiederkehren, z. B. bei erneuter Hernienbildung. Dann ist eine erneute Abklärung nötig.

Weitere allgemeine OP-Risiken (Blutung, Infektion, Verletzung benachbarter Strukturen, Thrombose etc.) werden im Rahmen der Aufklärung individuell besprochen.

Alternativen zur Fundoplicatio

Je nach Befund können alternative Verfahren sinnvoll sein. Entscheidend ist stets die Passung zur Anatomie und zum Refluxmechanismus.

Eine realistische Beratung klärt, was in Ihrer Situation sinnvoll ist – und was eher nicht.

Nach der Operation: Was ist wichtig?

Eine gute Nachsorge und ein strukturierter Kostaufbau sind wesentlich für einen reibungslosen Verlauf – insbesondere in den ersten Wochen.

Häufige Fragen zur Fundoplicatio

Wie lange dauert die Erholung nach einer Fundoplicatio?

Viele Patient:innen sind nach einigen Tagen wieder alltagstauglich. In den ersten Wochen sind Schonung, Kostaufbau und die Vermeidung schwerer Belastung wichtig.

Was ist der Unterschied zwischen Toupet und Nissen?

Nissen ist eine 360°-Manschette, Toupet meist 270°. Die Wahl hängt u. a. von der Motilität der Speiseröhre ab, die durch HR-Manometrie beurteilt wird.

Kann ich nach der Operation noch aufstoßen?

Anfangs kann Aufstoßen eingeschränkt sein. Häufig bessert sich das mit der Zeit. Eine passende OP-Technik und gute Nachsorge reduzieren Beschwerden.

Sind Schluckbeschwerden nach der OP normal?

In den ersten Wochen sind vorübergehende Schluckbeschwerden häufig. Ein strukturierter Kostaufbau hilft. Anhaltende Beschwerden sind selten und sollten abgeklärt werden.

Kann Reflux nach Fundoplicatio wiederkommen?

In seltenen Fällen kann ein Rezidiv auftreten (z. B. erneute Hernie). Dann ist eine erneute Diagnostik sinnvoll, um Ursache und Therapieoptionen zu klären.

Wann ist eine Fundoplicatio besonders sinnvoll?

Bei objektiv nachgewiesenem Reflux und passender Anatomie – besonders bei Volumenreflux/Regurgitation oder bei Hiatushernie als wesentlichem Mechanismus.

Beratung & OP-Planung

Wenn Sie eine Operation erwägen oder wissen möchten, ob eine Fundoplicatio in Ihrer Situation sinnvoll ist, können wir das auf Basis einer strukturierten Diagnostik fundiert klären.

Hinweis: Diese Seite dient der Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.